Abstract
Der Sterntaucher (Gavia stellata), Seevogel des Jahres 2024, ist im Winterhalbjahr eine durchaus häufige Seevogelart in deutschen Meeresgewässern, aber aufgrund seiner zumeist sehr küstenfernen Lebensweise hierzulande nicht leicht zu beobachten. Nur einzelne Tiere rasten auf Seen im Binnen land oder halten sich zeitweise küstennah an Nord- und Ost see auf. Vor allem im Frühjahr können Sterntaucher mit ein wenig Glück ziehend über Land beobachtet werden, wenn die Tiere Schleswig-Holstein überqueren. Diese Vögel stammen aus den Rast- und Überwinterungsgebieten in der Nordsee, die von großer Bedeutung für diese Art sind.
Eines der wichtigsten Rastgebiete liegt in der Deutschen Nord see westlich von Sylt, wo sich jedes Frühjahr mehrere Tausend Seetaucher versammeln, weit überwiegend Stern- und in ge ringerer Zahl auch Prachttaucher. Die höchsten Vorkommen werden hier in etwa 40-50 km Entfernung zur Küste ange troffen (Vilela et al. 2021). Die Kenntnis über die Bestände hat sich in den letzten 20 Jahren deutlich verbessert, seit im Zuge des Ausbaus der Offshore-Windenergienutzung großflächige Flugzeugzählungen durchgeführt werden.
Sterntaucher gehören zu den störempfindlichsten Seevögeln (Dierschke et al. 2012). Die bevorzugten Überwinterungs- und Aufenthaltsgebiete der Art in den relativ flachen Gewässern der östlichen Deutschen Bucht werden für die Schifffahrt, Fischerei und seit jüngerer Vergangenheit auch zunehmend für die Offshore-Windenergie genutzt. Untersuchungen an Offshore-Windparks (OWPs) haben gezeigt, dass Seetaucher im Gebiet westlich von Sylt ihren Verbreitungsschwerpunkt nach dem Ausbau der Windkraft verändert haben, weg von bestehenden OWPs (Mendel et al. 2019). Auch Schifffahrtsli nien werden deutlich gemieden. Auch wenn neuere Analysen keine Abnahme der Bestände ergaben (Vilela et al. 2021), ist bisher unklar, ob und wie sich der entstandene Habitatverlust langfristig auf die Bestände auswirken kann. Um sich dieser Fragestellung anzunähern, haben wir zwei Forschungspro jekte durchgeführt, in denen Raumnutzung, Zugbewegungen und Tauchaktivität mit telemetrischen Methoden untersucht wurden.